Salon-Abend der CARL BLECHEN Gesellschaft am 20.6.2002

In der Reihe Salonabende der Carl Blechen-Gesellschaft sprach am
Donnerstag, den 20. 6. 2002, 19.00 Uhr im Schloss Branitz
Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt, Institut für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Lübeck, zum Thema

Natur und Mensch in der Sicht der romantischen Naturforschung


In unserer Veranstaltungsreihe zur Romantik wollen wir mit diesem Salonabend das Thema der romantischen Naturforschung und Philosophie aufgreifen. In der Naturforschung um 1800 ging man von der Identität von Natur und Geist aus. Die Gesetze des Geistes sollen mit den Gesetzen der Natur übereinstimmen. Zwischen der Physik, Mathematik und Technik einerseits und dem Geist, der Metaphysik und Philosophie andererseits soll kein Widerspruch bestehen. Aufgrund dieser Einheit stehen auch alle Naturwissenschaften in einem inneren Zusammenhang. Dabei kommt der Erforschung des Lebendigen eine herausragende Rolle gegenüber der Chemie und Physik zu, die sich mit dem Anorganischen beschäftigt.
Die Naturforschung existiert jedoch nicht losgelöst vom sozialen Leben der Menschen. Eine entsprechend verstandene universale Bildung soll Mensch und Kultur mit der Natur versöhnen und ausgleichen. Beide, Natur und Kultur, befinden sich in einem Entwicklungsprozess, hin zur Vollendung. Aus der Vorstellung von der Einheit von Natur und Kultur folgt für die romantischen Naturforscher eine besondere Verantwortung des Menschen für die Natur. Wie der Mensch sich zur Natur verhält, verhält er sich auch zu sich selbst. Naturverantwortung ist somit zugleich Selbstverantwortung.
Das Thema der ganzheitlichen Herangehensweise, der Verantwortung für die Umwelt, die Idee der Nachhaltigkeit und andere sehr moderne Konzepte haben ihre Wurzeln in der Naturforschung der Romantik. Wir werden an dem spannenden Abend zu diesen unbekannten Wurzeln zurückfinden.
Der Autor ist Historiker und Naturwissenschaftler und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Philosophie und Wissenschaft der Romantik. Er ist Direktor des Instituts für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte der Medizinischen Universität Lübeck.